Intercoiffure Bergmann Friseure

Angela Bergmann
© Martin Neuhof

„Nachhaltigkeit bedeutet für mich, es zu leben und ein gutes Vorbild für meine Mitarbeiterinnen und Mitmenschen zu sein. Gelebte Nachhaltigkeit ist im Alltag sichtbar.“

Angela Bergmann, Intercoiffure Bergmann Friseure, Leipzig

Gründungsjahr: 1900

Mitarbeiteranzahl: Sieben wunderbare Mitarbeiterinnen inklusive einer Auszubildenden im zweiten Lehrjahr.

Auszubildende: Ja, derzeit bilden wir nur eine Auszubildende aus, denn Qualität steht für uns hier vor Quantität. Seit 2003 haben insgesamt 50 Auszubildende bei uns ihr Handwerk und den Umgang mit anspruchsvollen Kunden und Kundinnen gelernt. In Spitzenzeiten hatten wir sechs Auszubildende in unseren Standorten gleichzeitig.

Wann sind Sie zum ersten Mal mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ in Berührung gekommen?

2014 habe ich mein Unternehmen und mich als Unternehmerin neu ausgerichtet. Der Impuls neu zu Denken kam durch eine gesundheitliche Einschränkung, die stressinduziert war. Nachhaltig ist ja das, was nachhallt, also sozusagen ein Echo oder ein Feedback zu dem, was ich als Mensch gestalte. 2014 wurde mir bewusst, dass meine Gesundheit und damit verbunden auch die Begeisterung, mit der ich meinen Beruf ausübe und auch mein Unternehmen führe, wichtig sind. Dieses Echo war der Initiator für eine umfängliche Veränderung bzw. einen Neustart.

Ich habe mich intensiv mit meiner Ernährung auseinandergesetzt und herausgefunden, was gut für mich ist und was nicht. Nachhaltigkeit spielt in meiner Ernährung seit jeher eine wichtige Rolle, deshalb kaufe ich heute fast ausschließlich Bioprodukte ein. Nach und nach habe ich mich auch in meinem Salon für nachhaltigere Alternativen entschieden.

Ein wichtiger Schritt war der Wechsel der Zulieferfirma hin zu einem Partner, dem Nachhaltigkeit am Herzen liegt und der uns auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen kann. Wir arbeiten jetzt seit Jahren mit „La Biosthétique“ zusammen, die fast ausschließlich natürliche Inhaltsstoffe verwenden und ihre Produkte 100 Prozent klimaneutral versenden. Das trägt auch dazu bei, dass unser Salon klimaneutral wird. Die Produkte, die wir in unserem Salon einsetzen, werden in Kartonagen aus nachhaltiger Forstwirtschaft und mit biologisch abbaubaren Mais-Chips als Füllmaterial versendet. Leider können wir die Lieferkette noch nicht für alle Inhaltsstoffe nachvollziehen, werden aber das Gespräch mit unserem Zulieferer suchen, denn Transparenz ist uns wichtig.

Welchen Tipp würden Sie einem Handwerksbetrieb geben, der sich gerade auf den Weg zu einer nachhaltigen Betriebsführung macht? Womit kann ein Betrieb gut anfangen?

Die Handwerkskammer zu Leipzig bietet unterschiedliche Seminare zum Thema Nachhaltigkeit an. Bevor die ersten Veränderungen umgesetzt werden, kann ich nur Jedem empfehlen, sich bei der zuständigen Handwerkskammer beraten zu lassen. Mir hätte es beispielsweise sehr geholfen mich mit einem Betrieb zu vernetzen, der schon weiter ist und der mir Tipps geben kann, was ich als erstes ändern könnte.

Was sollten unsere Leser*innen über Ihre Gründungsgeschichte wissen?

Unser Familienbetrieb besteht schon seit fast 120 Jahren und wurde im Oktober 1900 von dem Urgroßvater meines Mannes in Leipzig gegründet. Mein Mann und ich haben ihn dann 1993 in der vierten Generation übernommen. Nachdem ich 2003 meine Meisterprüfung im Friseurhandwerk abgelegt hatte, eröffnete ich den ersten Salon unter meinem eigenen Namen. Über die Jahre sind vier weitere dazugekommen, so dass ich zehn Jahre lang fünf Salons gleichzeitig geführt habe. Im Jahr 2014 habe ich gemerkt, dass ein Filialsystem mit unterschiedlichen Standorten nicht das war was ich langfristig ausbauen wollte, denn ich bin ein Mensch der sehr hohe Ansprüche an sich und an die Qualität unserer Leistungen hat, das führte mich gesundheitlich an meine Grenzen. Ich habe mich in diesem Krisenjahr 2014 neu erfunden und habe all meine Kreativität und Kraft in einem einzigen Standort gebündelt und erfolgreich diesen Salon auf höchstem Niveau entwickelt.

Welche Rolle spielt Regionalität für Ihren Betrieb?

Regionalität ist uns sehr wichtig und eine Herzensangelegenheit. Der persönliche Kontakt zu Zuliefererfirmen ist in meinen Augen wichtig, denn wir arbeiten von Mensch zu Mensch und das beginnt bei unserer Obst- und Gemüsekiste aus der Region und geht weiter bei den Lieferfirmen unserer Produkte. Ich kenne jeden einzelnen Verantwortlichen und Mitarbeitenden unserer Zulieferfirmen persönlich. Wenn es möglich ist, entscheiden wir uns bei Zulieferfirmen immer für einen regionalen Anbietenden, der unsere Wertevorstellungen teilt und im näheren Umkreis zu finden ist. Bisher ist uns dies immer geglückt und wir haben Partner*innen gefunden, die diesem Begriff gerecht werden.

Was waren Ihre ersten Schritte auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in Ihrem Betrieb?

Im Jahr 2015 habe ich alle meine Geschäfte verkauft, bis auf einen. Diesen Salon habe ich dann mit viel Herz, Kreativität und Power von Grunde auf nicht nur renoviert, sondern ganz neu aufgebaut. Einige Beispiele für gelebte Nachhaltigkeit sind: Die Beleuchtung habe ich auf Leuchtdioden (LED) umgestellt und bin zu einem Ökostrom-Anbieter gewechselt, für die Wände habe ich ausschließlich umweltverträgliche Wandfarben verwendet und in den Waschanlagen Spardüsen eingebaut, um den Wasserverbrauch zu senken. Meinen Kunden und Kundinnen und Mitarbeiterinnen biete ich fair gehandelten Kaffee und Tee aus biologischem Anbau an. Für mich ist zudem die Weiterbildung meiner Mitarbeiterinnen ein wichtiges Thema. Alles was lebendig ist, wächst und verwandelt sich ständig, der Markt ist im Fluss und für einen Salon mit unserem hohen Anspruch an Qualität und herausragendem Service werden ständig neues Wissen und Kompetenzen benötigt, deshalb mache ich es möglich, dass sich alle Mitarbeiterinnen durch regelmäßige Fort- und Weiterbildungen fachlich, aber auch persönlich weiter entfalten können. Ein stärkenbasierter Einsatz nach den Fähigkeiten und Talenten der Mitarbeiterinnen ist für mich ein Schlüssel für nachhaltiges Personalmanagement. Auch das gehört für mich zu einem Betrieb, der auf Nachhaltigkeit wert legt, dazu.

Was hat Ihnen die Umstellung auf eine nachhaltige Betriebsführung gebracht?

Diese Umstellung kann nur als Startschuss verstanden werden, wir haben in diesem Fall die Philosophie der ständigen Weiterentwicklung und Verbesserung implementiert. Dieser Prozess wird niemals enden. Wer aufhört besser werden zu wollen, hört auf gut zu sein. Wir haben viele Ideen, die wir in den nächsten Monaten und Jahren umsetzen werden. Aktuell planen wir zum Beispiel, Fahrräder für unsere Mitarbeiterinnen anzuschaffen.

Welche Hürden mussten Sie auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in Ihrem Betrieb überwinden?

Das Wichtigste aus meiner Sicht ist es, das gesamte Team einzubeziehen. Alle dürfen mitgenommen werden, denn nur so kann Verständnis für eine Veränderung geschaffen werden. Hier ist ein Einbeziehen und Mitgestalten in einer Art Ideenschmiede angedacht. Als letztes haben wir für das Thema Mülltrennung ein Patensystem etabliert, wodurch die gesamte Mannschaft motiviert wird auf Recycling zu achten.

Das Projekt „Nachhaltigkeit in Handwerksbetrieben stärken!“ wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) durchgeführt.

Gefördert vom