Eyrich-Halbig

„Wir wollen unser nachhaltiges Handeln mit Fakten und Zahlen belegen können. Für uns und unsere Kunden zählen Beweise.“

Michael Eyrich-Halbig, Zimmermann und Geschäftsführer von EYRICH-HALBIG HOLZBAU

Gründungsjahr: 1933
Anzahl Mitarbeitende: 38
Auszubildende: 3

Inhabergeführtes Familienunternehmen in dritter Generation aus Oberthulba bei Bad Kissingen. Michael Eyrich-Halbig und sein Team sind einer nachhaltigen Bauweise verpflichtet, die Tradition und Innovation verbindet.

Was war für Sie der Auslöser, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen?

Für Michael Eyrich-Halbig ist Nachhaltigkeit schon immer fester Bestandteil des Geschäftsmodells seines Betriebs. Ihm wurde das Thema Bauen durch den Betrieb seines Vaters schon in die Wiege gelegt. Das Arbeiten mit natürlichen Ressourcen und das Bewusstsein für ökologische Baustoffe wurden ihm täglich vorgelebt. Als junger Mann absolvierte er die Ausbildung zum Zimmerer und schloss diese mit der Meisterprüfung ab. Für Michael Eyrich-Halbig war schon immer klar, dass er den Betrieb übernehmen würde. Seit 2010 ist er in der Verantwortung als Geschäftsführer und seit 2021 ist er auch Gesellschafter, er hat den Betrieb vom Vater übernommen. Michael Eyrich-Halbig führt das Familienunternehmen in dritter Generation.

Die Frage, die schon seinen Vater und dessen Onkel umtrieb: Wie kann man günstigen und ökologisch klugen Wohnraum schaffen? Auch in der Heimatregion von Eyrich-Halbig erstarkte in den letzten Jahren die Fertigbau-Industrie – sie verwendet Baustoffe, die nicht umweltverträglich sind. Dazu zählen zum Beispiel Dämmungen aus Styropor, der schon in der Herstellung nicht ökologisch ist  und nicht vernünftig entsorgt werden kann, das verrät uns der Unterfranke im Interview. Die bevorzugte Bauart von EYRICH-HALBIG HOLZBAU bei Wohnhäusern: Tonziegel auf dem Dach, Außenhülle aus nachwachsendem Material wie zum Beispiel Holz und Kork.

Was waren Ihre ersten Schritte auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in Ihrem Betrieb?

Die Suche nach schadstofffreien Baustoffen war der Beginn. Im Betrieb haben wir angefangen, uns immer mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen. Zusätzlich zur Ökologie kamen weitere Aspekte dazu: nachhaltiges Wirtschaften und Soziales. Wir schauten, welche Lieferanten wir hatten und ob diese nachhaltig arbeiteten. Auch der Umgang mit den Mitarbeitenden rückte in den Mittelpunkt. Natürlich waren uns unsere Angestellten auch vorher schon wichtig, immerhin sind sie einer der Gründe, warum es den Betrieb seit 1933 gibt. Aber jetzt schauten und fragten wir noch intensiver: Fühlen sich die Leute wohl bei uns? Sind wir ein guter Arbeitgeber?

Ein paar Beispiele in Stichpunkten: Wir haben Diensträder angeschafft. Mitarbeitende haben zum Teil nur eine Vier-Tage-Woche, damit Elternzeit und Kinderbetreuung mit den Arbeitszeiten übereinstimmen. Vor allem Elternzeit ist heute gang und gäbe. Da sollte man mitgehen und mithelfen, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Care-Arbeit ist bei uns ebenso geregelt. Mitarbeitende können bei Bedarf kurzfristig freinehmen. Man muss schon extrem gute Rahmenbedingungen schaffen, damit sich Mitarbeitende wohlfühlen und sich gar nicht erst woanders umschauen.

So umfangreich hatten wir uns das am Anfang nicht vorgestellt, aber das entsprach unserer Philosophie. Daher war es nur konsequent, einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen und nachweislich nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex zu arbeiten.

Wie ging es dann für Sie weiter?

Das war eher ein Prozess über Jahre hinweg – zusammen mit unserer Kundschaft. Viele machen sich im Vorfeld Gedanken über ihr Heim und wie sie in Zukunft wohnen wollen. Wir als Betrieb wurden immer engagierter in Sachen Nachhaltigkeit und das zog Bauherren an, für die eine nachhaltige Bauweise bei der Errichtung ihres neuen Zuhauses ein ausschlaggebendes Kriterium war. Seit Jahren kommen Kunden durch Weiterempfehlung zu uns und wir haben uns mit ökologischen Baustoffen eine Nische geschaffen. Irgendwann wurde es dann Teil unserer unternehmerischen Strategie. Und im Marketing setzen wir genau diese Argumente ein. Wir erstellen perfekte Produkte, die auch Sehnsuchtsorte sind, die wirklich grün sind und nicht nur ein Etikett tragen.

Unsere grüne DNA geben wir an die kommende Generation weiter. Wir bilden regelmäßig aus, immer drei Auszubildende jährlich mit dem Ziel einer Übernahme in den Betrieb. Wir trainieren unsere Auszubildenden auch speziell. Es gibt bei uns einen Facharbeiter, der vor den Prüfungen mit den Auszubildenden nochmal die Prüfungsinhalte durchgeht.

Welchen Tipp würden Sie einem Handwerksbetrieb geben, der sich gerade auf den Weg zu einer nachhaltigen Betriebsführung macht? Womit kann ein Betrieb gut anfangen?

Der Rat an alle: Das kann man nicht nebenbei machen, aber es lohnt sich, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Man muss sich schon Gedanken machen, wie man was integrieren möchte, um sich nachhaltiger aufzustellen. Wie kommt man zu messbaren Ergebnissen? Was sind die nächsten Schritte, die man dann angeht.

Und für die Zukunft? Was sind Ihre nächsten Schritte bei Eyrich-Halbig Holzbau?

Wir wollen wirklich klimaneutral wirtschaften, also nicht einfach CO2-Zertifikate kaufen. Unser betriebliche Schadstoffausstoß soll bei gleicher Leistung immer geringer werden. Bis 2030 wollen wir klimaneutral arbeiten.

Link https://www.holzbaueyrich.de/

Das Projekt „Nachhaltigkeit in Handwerksbetrieben stärken!“ wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) durchgeführt.

Gefördert vom