Steinbildhauerei Vincent

© Michael Schrenk

„Nachhaltigkeit bedeutet für mich: Freiheit und Verantwortung im Handeln zusammengedacht.“

Timothy Vincent, Steinbildhauerei Vincent

Gründungsjahr: 2003
Mitarbeiteranzahl: 1 Teilzeitgeselle
Auszubildende: 1 Auszubildende

Was war das Gründungsjahr Ihres Betriebs?

2003

Was sollten unsere Besucher über Ihre Gründungsgeschichte wissen?

Es war immer mein Wunsch, selbständig zu sein. Das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk bietet für mich die Möglichkeit, mich mit meiner Arbeit ganz bewusst auf eine Gratwanderung zu begeben, nämlich einerseits handwerklich-künstlerisch-angewandt zu arbeiten, also einen Betrieb zu führen mit all seinen Vorzügen, Zwängen und Nachteilen. Andererseits, abgehoben von reiner Handwerklichkeit, frei künstlerisch zu denken und zu wirken.

Wann sind Sie zum ersten Mal mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ in Berührung gekommen?

Rückblickend würde ich die Tätigkeit in einem Sandsteinbruch als Initialzündung betrachten. Nach der Lehre zum Feinmechaniker und dem Ingenieursstudium an der Fachhochschule Dortmund habe ich dort fünf Jahre als Faktotum gearbeitet. Der Steinbruch ist ein Arbeitsplatz, der sich jeden Tag mit dem Licht und Stand der Sonne ändert. Die Dimensionen verschieben sich durch den Abbau und das Umgestalten der Arbeitsflächen fortlaufend. Der Naturstein erfordert einen sorgsamen Umgang und wird mit Bedacht und Sorgfalt aus der Wand gesprengt, um möglichst große und unbeschädigte Werksteine zu bekommen.

Die Weiterverarbeitung dieser schweren Massen mit schwerem Gerät war immer beeindruckend. Je weiter der Produktionsgang zum Endprodukt war, desto „leichter“ wurden die Werkzeuge und der Mensch als Bearbeiter kam ins Spiel. Wo im Groben Sprengstoff, Raupenbagger, Presslufthammer und Keile die Arbeit verrichtet hatten, kamen danach Seil- und Blocksägen und dann der Steinmetz mit Fäustel, Spreng- und Schlageisen zum Einsatz. Vom Groben zum Feinen, und alles wurde verarbeitet. Es gab keinen „Abfall“, denn noch der kleinste Stein, der durch die verschiedenen Bearbeitungen anfiel, wurde gesiebt, hatte eine definierte Korngröße und wurde als Splitt angeboten. Diese Unmittelbarkeit des zu benutzenden Materials ohne lange Lieferwege, die Möglichkeiten der Bearbeitung, vereint an einem Ort, die Wirkungen und Ruhe des handwerklichen Tuns waren eine grundlegende und für mich zukunftsweisende Erfahrung.

Was war für Sie ein Auslöser, sich mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ zu beschäftigen?

Meine eigenen Kinder und die Gedanken an ihre Zukunft, in welcher Welt sie leben werden und was ich selbst dazu beitrage, haben mich schon früh in meiner Funktion als Unternehmer Nachhaltigkeitsfragen formulieren und beantworten lassen. Nicht immer zu meiner Zufriedenheit, denn vermeintliche Marktzwänge verschleierten oft die Möglichkeiten verantwortungsvollen Handelns. Nachhaltigkeit ist Unterwegs-Sein, ist ein Handeln im Komparativ.

Welche Rolle spielt Regionalität für Ihren Betrieb?

Regionalität, das Zusammenspiel von Handel, Wandel, Produktion und Verbrauch, die „short distance economy“ ist die Zukunft der Grundversorgung einer resilienten Gesellschaft.

Das Projekt „Nachhaltigkeit in Handwerksbetrieben stärken!“ wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) durchgeführt.

Gefördert vom