Vickermann und Stoya

„Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.“

Matthias Vickermann, Vickermann und Stoya, Maßschuhmacher, Baden-Baden

Gründungsjahr: 2004
Mitarbeiteranzahl: 5
Auszubildende: 1 (Wir haben immer Auszubildende in unserem Betrieb.)

Vickermann & Stoya verknüpfen wie kein anderer Betrieb Tradition und Zukunft. Beides ist ein fester Bestandteil ihrer Betriebsführung, wie Matthias Vickermann im Interview erzählt. Neben einer Maßschuhmanufaktur betreibt der Baden-Badener zusammen mit seinem Geschäftspartner den Online-Reparaturservice „shoedoc“. Und auch sonst setzt Herr Vickermann auf digitale Unterstützung.

Die Manufaktur für Maßschuhe mit Sitz in Baden-Baden stellt seit 18 Jahren mit Liebe und Leidenschaft zum Handwerk Schuhe her. Vickermann & Stoya bilden jedes Jahr mindestens einen jungen Menschen aus, auch damit das Handwerk des Schuhmachers nicht verloren geht.

Was ist das Besondere an der Ausbildung?

Zahlen belegen, dass 2021 gerade mal neun Auszubildende deutschlandweit einen Vertrag für die Ausbildung zum Schuhmacher bzw. zur Schuhmacherin unterschrieben haben. Dies ist sicher auch dem Umstand geschuldet, dass Schuhmacherbetriebe an sich in Städten rückläufig sind – auf dem Land sind sie bereits ausgestorben. Doch hat der Schuhmacherbetrieb eigentlich Zukunft – und wir überführen diese Tradition derzeit in die Moderne. Aus diesem Gedanken entstand die Entscheidung, einen Online-Reparaturservice ins Leben zu rufen, den shoedoc.

shoedoc steht für Nachhaltigkeit, da durch diese Idee vielen Menschen ermöglicht wird, ihre Schuhe reparieren zu lassen, um weiterhin Freude daran zu haben. Aufträge, die aus ganz Deutschland kommen, haben neue und langfristige Arbeitsplätze in verschiedenen Generationenbereichen geschaffen. Wir sind daran interessiert, unsere Mitarbeitenden zu halten, und wollen daher auch, dass die Azubis langfristig bleiben. Sie bekommen über die drei Lehrjahre von uns ein großes Repertoire an Wissen übermittelt. Eine Besonderheit unserer Manufaktur ist, dass wir unsere Schäfte vor Ort anfertigen. Das kann neben zwei unserer Angestellten kaum noch jemand in Deutschland. Auch diese Handwerkskunst geben wir unseren Azubis weiter. Uns ist wichtig, dass sie bereits früh in der Ausbildung aktiv an der Entstehung des Maßschuhs mitwirken und somit das haptische Gefühl für das feine Handwerk erlernen.

Wie wichtig ist Ihnen Regionalität?

Sehr wichtig. Baden-Baden hat als Wirtschaftsstandort – mit seiner Nähe zu Frankreich und der Schweiz – für uns viele Vorteile. Unsere Kunden kommen daher aus verschiedenen Regionen. Durch das Schwinden der Schuhmachereien werden Reparaturen auf postalischem Weg immer häufiger nachgefragt. So entstand mit der Zeit getreu dem Motto „Think global, act local“ die Idee, einen Online-Reparaturservice für Schuhe anzubieten. Eine einfache Bedienung der Website und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sind uns sehr wichtig, aber auch, dass die Kunden wie in der Manufaktur vor Ort persönlich beraten werden. Daher ist bei Fragen oder Unsicherheiten zu jeder Zeit eine Kontaktaufnahme via Mail, WhatsApp Business oder Social Media möglich. Die Fragen werden von einer Mitarbeiterin schnellstmöglich beantwortet. Dabei ist es uns wichtig, dass unsere Kunden keine Anonymität verspüren, wie es sonst in Onlineshops meistens der Fall ist.

Ebenso war es uns wichtig, auf den Plattformen Instagram, Facebook, LinkedIn und TikTok vertreten zu sein. Daher haben wir eigens für den Bereich Marketing (Print und online) jemanden eingestellt, der diese Kanäle betreut. Wir haben festgestellt, dass die Menschen gerne am Manufakturleben teilhaben wollen und mehr über das Handwerk und den Betrieb erfahren möchten. Durch Social Media ist es uns möglich, unsere Bestandskunden immer auf dem neuestem Stand zu halten und gleichzeitig neue Zuschauer mit unserer Manufakturwelt zu begeistern. Über diesen Weg ist es uns ebenfalls möglich, junge Leute anzusprechen und für das Handwerk zu begeistern. Obwohl wir uns aktuell in einer Wegwerfgesellschaft befinden, finden sowohl ältere als auch jüngere den Weg zu unserem Reparaturservice und fragen uns über diverse Social-Media-Kanäle an. Das ist die perfekte Ergänzung zum Traditionsgeschäft mit Ladenlokal. Denn es geht ja nicht nur darum, den Beruf zu erhalten, sondern auch um ein kulturelles Erbe, welches an die nächsten Generationen weitergetragen werden sollte, um dieses mit der Zeit nicht zu verlieren.

Welchen Tipp würden Sie einem Handwerksbetrieb geben, der sich gerade auf den Weg zu einer nachhaltigen Betriebsführung macht? Womit kann ein Betrieb gut anfangen?

Viele sind der festen Überzeugung, dass eine Website nicht relevant sei, um einen Betrieb nach vorne zu bringen. Allerdings leben wir in einer Zeit, in der sich ein Großteil der Gesellschaft über das Internet informiert und die digitalen Dienste umfänglich nutzt. Somit bin ich der Meinung, dass eine Website als Minimum für den digitalen Außenauftritt unabdingbar ist. Selbstverständlich gehören auch Visitenkarten zum Mitgeben auf die „Must-have“-Liste.

Das Projekt „Nachhaltigkeit in Handwerksbetrieben stärken!“ wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) durchgeführt.

Gefördert vom